Die Geschichte des Radsportverein Volkertshausen

 

 Am 12. September 1903 wurde der Radfahrer Verein Volkertshausen unter dem Vorsitz von Julius Sturm gegründet.
 Am gleichen Abend traten 21 Radfahrer mit einem Monatsbeitrag von 10 Pfennig dem Verein bei.

 Als Vorstandsmitglieder wurden gewählt:

 1. Vorstand:           Julius Sturm
 Schriftführer:          Otto Läufle
 Kassier:                  Johann Ketterer
 Beiräte:                    Leopold Spettnagel, Ludwig Creuzburg und Heinrich Brugger


Am Jahresende 1903 konnte der Verein bereits 69 aktive Mitglieder zählen.

Eine Ehrenvolle Aufgabe für den Verein war am 08.September 1904 die Teilnahme an “der Vorfeier
seiner Großherzoglichen Hoheit, unseres allerwertesten Landesvaters, Großherzog Friedrich von
Baden”

1908 beteiligten sich die Fahrer des Vereins vollzählig am Radfahrfest des Süddeutsch-
Schweizerischen Radfahrerverbandes in Friedrichshafen und legten für diese Anfahrt 60 Km im
Sattel zurück. Belohnt wurden sie mit dem 1. Preis im Korsofahren für Vereine außerhalb des Gaues.

Noch im gleichen Jahr nahm der Verein auch die ersten Aktivitäten im Rennfahren auf.

Im Juli 1909 fand in Volkertshausen das erste Radfahrerfest anlässlich der Bannerweihe statt.

Der erste große Einschnitt in der Vereinsgeschichte war die verhängnisvolle Zeit des
1. Weltkrieges. Der letzte Eintrag im Protokollbuch stammt vom 18. Juni 1914 und beinhaltet die
Verabschiedung des 1. Vorstandes Karl Inholz.
Erst nach 5 Jahren am 29.März 1919 fand wieder die erste Generalversammlung statt. Sie wurde
von Julius Sturm mit dem Gedenken an 9 gefallene Kameraden eröffnet. Zwei Mitglieder waren noch vermisst und weitere zwei in Gefangenschaft.
In den folgenden Jahren formierte sich der Verein neu und konnte sich dank mehrerer Neumitglieder dem sportlichen geschehen zuwenden.
1922 wurde das Kunst-Reigenfahren in das Vereinsgeschehen aufgenommen.

Höhepunkt des damaligen Vereinslebens war das 25-jährige Stiftungsfest verbunden mit dem 5. Bundesfest des Oberbadischen Radfahrerbundes vom 16.-18. Juli 1927.
Noch im gleichen Jahr schaffte der Verein die ersten Saalmaschinen an, womit unter der Führung von Alex Martin auch das eigentliche Kunstfahren in Angriff genommen wurde.
Ein weiterer wichtiger Schritt war auch die Gründung einer Damenriege und einer Radballmannschaft.

Eine zwangsweise Umgestaltung in der Vereinsstruktur erfolgte 1933 durch die Gleichschaltung.
der gesamte Verwaltungsrat musste zurücktreten, ein neuer 1. Vorstand wurde ernannt und dem Verein die Auflage gemacht, dass die Mehrheit der Mitglieder der damaligen Partei angehören müssen.
Da auch die Verbände aufgelöst wurden, kam der Saalsport völlig zum erliegen weil die Fahrer wegen der hohen Beiträge und fehlenden Versicherungen nicht mehr zum aktiven Sport bereit waren.
Die Mitgliederzahl sank von 134 Mitglieder bis zum Jahr 1937 auf 20 Mitglieder ab.
Die Saalmaschinen wurden verkauft und am 20.Mai 1937 fand der Verwaltungsrat weitere Versammlungen für zwecklos.

Dies war dann das Ende des Radfahrer Vereins.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren wurde jedoch die einstige Ausstrahlungskraft des Vereins nicht vergessen, sodass bei einigen Männern der Wunsch entstand, diesen in alter Schaffenskraft neu entstehen zu lassen.

Am 23.Juli 1949 fanden sich 35 Sportinteressenten zusammen und gründeten den Radsport-Verein Volkertshausen.
Alle Anwesenden erklärten ihre Mitgliedschaft und wählten Alex Martin als 1. Vorstand.

Am 26.März 1951 wurde in Volkertshausen unter Mitwirkung auswärtiger Vereine ein Saalsporttag veranstaltet.
“ Was Klaus Behnke und Herbert Schädler aufführten, geht schon über den Durchschnitt hinaus “ so der damalige Schriftführer Edmund Mattes.
1953 erlebten die Kunstfahrer einen Höhepunkt ihrer Erfolge. Die Amateure im Herrenkunstfahren erkämpften sich in Kehl die Bundesmeisterschaft. Dies war jedoch nur der Anfang einer über Jahre anhaltenden Erfolgserie im Kunstfahren.
Im Jahr 1955 erkämpfte sich das Kunstfahrerpaar Hadwig Schmid ( Sick ) - Inge Kleiber ( Kleipa ) den 2. Platz bei den Badischen Meisterschaften.
1958 errang der Verein auch mehrere Kunstfahrertitel. Das 2er Paar Stefan Breinlinger und Paul Gaißer
wurde Badischer Meister. Ihnen gelang es durch unermüdlichen Fleiß 6 mal den Titel des Badischen
Meisters nach Volkertshausen zu bringen und 5 mal an den Deutschen Hallensportmeisterschaften
teilzunehmen, wobei sie 2 mal den beachtlichen 6. Platz und 1960 den 1. Platz der Süddeutschen Meister-
schaften erkämpften.

Eine Bereicherung der sportlichen Betätigung fand der Verein in den 50er Jahren durch die Gründung einer
Motorsportabteilung. Sie schuf sich bald ein eigenes Übungsgelände und konnte bei Geschicklichkeits-
veranstaltungen manchen schönen Erfolg verbuchen.

1963 beginnt unter der Führung des 1. Vorsitzenden Egon Eisele auch für den Rennsport wieder eine
Blütezeit, denn Volkertshausen war Austragungsort eines Jugendrennens, bei dem Gerald Schütz
erstmal von sich Reden machte. Er erkämpfte sich bei der Bundesmeisterschaft in Volkertshausen den
1. Platz in der Klasse B Jugend.
Da der Rennsport so von Erfolg gekrönt war, entschloss man sich jedes Jahr ein Kriterium auszurichten.
Einer der größten Erfolge des RSV war die Erringung des Titels eines deutschen Vizemeisters im 2er
Mannschaftsfahren in Hannover von Horst Schütz.

1973 errang der Kunstradfahrernachwuchs den Titel des Badischen Meisters im 4er Kunstradfahren.
In der Zwischenzeit sind die Spitzensportler im Rennsport leider zum SSC Stuttgart abgewandert. Obwohl man über einen vielversprechenden Nachwuchs verfügte, wurde es etwas ruhiger im Rennsport.
Unsere Rennfahrer konnten aber dennoch auf Bezirks- und Landesebene gute Erfolge erzielen.

Eine große Herausforderung für den Verein war die Ausrichtung des Bundesfestes, anlässlich des 25-jährigen Bestehens des BRMB vom 7.-10. Juni 1974.
Über 2000 Teilnehmer kamen nach Volkertshausen um am Korsoumzug teilzunehmen.
Auch am Freitagabend war das Festzelt bis auf den letzten Platz gefüllt, da sich der RSV etwas ganz besonderes hat einfallen lassen:
Man hatte für diesen Abend Toni Marschall mit seinem Sextett verpflichtet, was ein Riesen Erfolg war.

Im August des selben Jahres wurde unser Vereinsmitglied Horst Schütz, der in Volkertshausen seine Karriere als Rennfahrer begann, in der Dortmunder Westfalenhalle Deutscher Meister im 2er Mannschaftsfahren. Aus diesem Anlass wurde ihm in der Wiesengrundhalle ein gebührender Empfang bereitet.

1977 begannen für die Kunstradfahrer sehr erfolgreiche Jahre.
Johannes Breinlinger und Patrick Langner wurden im 2er Kunstradfahren bei den
Badischen Meisterschaften in Lauderbach bei Heidelberg Badische Meister.
Im 6er Kunstradfahren konnten Mario Neidhart, Volker Schädler, Thomas Denz,
Jürgen Frank, Markus Nieding und Johannes Breinlinger die Bronze Medaille
erringen.
1981 konnten sich das 2er Paar und die 6er Mannschaft für die Teilnahme an
der Deutschen Meisterschaft in Saarbrücken qualifizieren.

1978 konnte der RSV sein 75 jähriges Vereinsjubiläum feiern. Im Rahmen der
sportlichen Veranstaltungen kam es in der Wiesengrundhalle zu einem Vergleichs-
kampf im Kunstradsport zwischen dem RMSV Aach und dem RSV Volkertshausen.
Die Aktiven des RSV konnten diesen Wettkampf für sich entscheiden.

Im Jahre 1983 wurde die Tischtennisabteilung des RSV gegründet.
Es wurden lange Zeit Ligaspiele ausgetragen. Heute besteht die Abteilung nur noch aus Hobbyspielern.

Das wohl größte Ereignis der in der Geschichte war wohl der Umbau der alten Turnhalle zur Radsporthalle.
1983 hatte der Gemeinderat beschlossen, die Halle  dem Radsportverein zur Nutzung und Unterhaltung zu überlassen.
In 5 jähriger Bauzeit wurde aus der alten baufälligen Halle in Eigenarbeit ein wahres Schmuckstück geschaffen.
Am 8. Juni 1990 wurde die Radsporthalle offiziell ihren Bestimmungen übergeben.

1984 machte Horst Schütz noch einmal von sich Reden.
Der ehemalige Rennfahrer des RSV der inzwischen Profi geworden war gewann am 2. September in Barcelona die Weltmeisterschaft der Profi Steher. Dies war natürlich für den RSV ein besonderes Ereignis, denn welcher ländliche Radsportverein kann schon einen Weltmeister in seinen Reihen begrüßen ?

Vom 1. - 4. Mai 2003 feierte der RSV sein 100 jähriges Vereinsjubiläum.
Eröffnet wurde das Ereignis mit dem Traditionellen Kriterium am 1. Mai, welches durch ein
Derny-Omnium Rennen bereichert wurde. Die Zuschauer waren von dieser Darbietung mehr
als begeistert.

Am darauf folgenden Samstag fand in der bis auf den letzten Platz gefüllten Wiesengrundhalle
ein buntes Festbankett satt. Untermalt wurde dieses durch ein tolles Programm, welches die
örtlichen Vereine auf die Beine gestellt hatten.
Viele Ehrungen konnten an diesem Abend vergeben werden und der RSV die Sportplakette
des Bundespräsidenten entgegennehmen.

Gekrönt wurden die Feierlichkeiten mit einem bunten Blumenkorso, welches sich am Sonntag
Nachmittag durch die Straßen von Volkertshausen zog. Viele Vereine waren zu Ehren des
RSV nach Volkertshausen gekommen und boten ein farbenprächtiges Bild für die Zuschauer
entlang der Straßen.
Im Anschluss wurde bei Speiß und Trank, Kaffee und Kuchen ausgiebig und bis in die späten
Abendstunden hinein gefeiert.

Im Jahr 2004 veranstalteten wir zum ersten mal unser Spätherbstfest in der Radsporthalle.
Rehgulasch, hausgemachte Bauernratwürste, Käseplatten und ausgesuchte Weine der Region
fanden so guten Anklang bei den Besuchern, dass die Veranstaltung seither jedes Jahr
traditionell im November stattfindet.

Am 20. August 2005 machte die Deutschlandtour halt in Volkertshausen.
Etappenstadt war Singen. Der Rundkurs der auf dieser Etappe gefahren wurde, führte das
prominente Fahrerfeld 3 mal durch Volkertshausen. Der RSV errichtete auf dem Parkplatz des
Edeka aktiv Markt Hengge ein kleines Zelt und bewirtete die vielen Zuschauer, die dieses
Spektakel miterleben wollten.

Vom 1. - 2. Mai des Jahres 2010 bekam der RSV die ehrenvolle Aufgabe, die Baden-Württembergischen
Landesmeisterschaften der Rennfahrer  auszurichten.
5 Tage lang war die Vorstandschaft und viele Freiwillige Helfer im Dauereinsatz.
Mit dem Transporter und dem Unimog der Gemeinde wurde nach Konstanz gefahren um über 400 Meter
Absperrgitter erst auf- und in Volkertshausen wieder abzuladen.
Zudem musste auf dem Pfarrer Ganter Platz neben der alten Kirche ein Festzelt aufgebaut werden.
Am Abend vor dem ersten Renntag begann es dann zu regnen und dieser Regen sollte erst 2 Tage später
pünktlich zur letzten Zieldurchfahrt wieder aufhören.
Die Straße musste mit einem Bunsenbrenner getrocknet werden um zumindest einen Zielstrich auf den
Asphalt sprühen zu können.
Es wurden an den beiden Renntagen etwa 700 Fahrer in Volkertshausen erwartet. Zwar wurden es nicht
ganz so viele, aber trotz den biederen Bedingungen konnten die Zuschauer spannende Rennen und
Spitzensport vom feinsten sehen.
Der Start der Rennstrecke war bei der alten Kirche und führte die Fahrer den “ Schulbuckel “ hinauf. Dort
oben ging es in die Uhlandstr, Schillerstr., Langensteiner Str., vorbei am Bächlinger Hof nach Langenstein.
Von dort weiter Richtung Wiechs und dort wieder den Berg nach Volkertshausen hinunter.
Der Verein und viele Helfer haben in diesen Tagen eine große Leistung gebracht, was auch viel Lob
seitens des Verbandes einbrachte. Eine tadellose Veranstaltung, wie immer wenn der RSV etwas in die
Hand nimmt.

Im Zeitraum von Juli bis Sebtember 2010 wurde durch die Vorstandschaft und einigen Helfern in vielen
unermüdlichen Stunden der Innenraum unserer Radsporthalle renoviert.
Die gesamte Decke wurde heruntergerissen. Es wurde neu Isoliert und eine Holzdecke hinauf gemacht.
Es wurden Risse gespachtelt und die Wände gestrichen.
Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

 

 

 

Die 1. Vorsitzenden des Vereins

 

 

 

12.09.1903 - 01.11.1909   Julius Sturm

 

01.11.1909 - 19.03.1911   Karl Schädler

 

19.03.1911 - 18.06.1914   Karl inholz

 

29.03.1919 - 29.05.1921   Julius Sturm

 

29.05.1921 - 21.04.1928   Hermann Mattes

 

21.04.1928 - 29.08.1933   Karl Schädler

 

29.08.1933 - 03.02.1935   Julius Sturm

 

03.02.1935 - 20.05.1937   Karl Breinlinger

 

23.07.1949 - 01.02.1953   Alex Martin

 

01.02.1953 - 23.01.1955   Franz Stemmer

 

23.01.1955 - 27.01.1963   Josef Schafheutle

 

27.01.1963 - 13.03.1976   Egon Eisele

 

13.03.1976 - Mai 1978      Hans-Peter Denz

 

10.03.1979 - 14.10.1991   Heinz Rothmund

 

14.10.1991 - 14.03.1992   Gebhard Martin (kommissarisch)

 

14.03.1992 - 26.01.2007   Michael Horand

 

26.01.2007 - 30.01.2009   Gebhard Martin

 

30.01.2009 - 23.07.2021    Thomas Hassler

 

ab 23.07.2021                      Christoph Schwab